In der Folge verübten Rechtsextremisten politische Morde an demokratischen Politikern. Im August 1921 wurde der Zentrumspolitiker Matthias Erzberger (*1875, †1921) ermordet. Er hatte im November 1918 den Waffenstillstandsvertrag unterschrieben. Im Juni 1922 erschossen Rechtsextremisten den Industriellen, Schriftsteller, Politiker und damaligen Außenminister Walther Rathenau (*1867, †1922) auf der Fahrt in sein Ministerium. Rathenau war Jude. Als besonders schwerwiegend wird auf deutscher Seite Artikel 231 des Vertrages wahrgenommen. Er weist dem Deutschen Reich und seinen Verbündeten die Alleinschuld des Krieges zu. Sie hätten ihren Gegnern den Krieg « aufgezwungen » und seien als « Urheber für alle Verluste und Schäden verantwortlich ». Die deutschen Delegation, welche unter der Leitung von Außenminister Hermann Müller den Vertrag unterzeichnet, darf dessen Inhalt nicht mitverhandeln. In der deutschen Öffentlichkeit wird der Friedensvertrag daher als « Schmähung », als « Diktat » aufgenommen.

« `Diktatfrieden` ist zwar ein politischer Kampfbegriff der rechten », meint Politikwissenschaftler Dreyer, « aber er ist nicht völlig falsch. » So hätte die deutsche Delegation in Versailles keine Chance bekommen, auf die Ausgestaltung des Vertrages Einfluss zu nehmen. Was die Kriegsschuld betrifft, erklärt Dreyer: « besteht heute ein Konsens in der Forschung darüber, dass Deutschland zumindest eine überproportional große Verantwortung an dem Ausbruch des ersten Weltkrieges trägt. » Große Gebietsabtretungen, zeitweilige Gebietsbesetzungen, der Verzicht auf sämtliche Kolonien und milliardenschwere Reparationszahlungen: Als am 10. Januar 1920 der Versailler Vertrag in Kraft tritt, hat dies weitreichende Folgen für die noch junge Deutsche Republik. Der Friedensvertrag kostet den deutschen Staat ein Siebtel seines Gebietes und ein Zehntel seiner Bevölkerung. Die Propaganda der kaiserlichen Regierung hatte zudem über vier Jahre den bevorstehenden Sieg in leuchtenden Farben ausgemalt. Der Sieg über Russland im Friedensvertrag von Brest-Litowsk am 3. März 1918 schien diese Propaganda zu bestätigen. Bei den Waffenstillstandsverhandlungen von Compiègne hatte die Regierung außerdem vorgezogen, die Bitte um ein Ende der Kämpfe als politische Entscheidung darzustellen, da eine Kritik an den Generälen und ein Eingestehen der militärischen Niederlage die Verhandlungsposition noch weiter geschwächt hätten. Sie bestand nicht auf der Unterschrift der Generäle unter Waffenstillstands- und später Friedensvereinbarungen, so dass diese sich dann davon distanzieren konnten, ohne für ihr eigenes Versagen zur Rechenschaft gezogen zu werden.

Nach der Novemberrevolution 1918 schloss SPD-Politiker Friedrich Ebert mit General Wilhelm Groener einen Pakt, um linksextremistische Aktivisten und den Spartakusaufstand niederzuschlagen. Dieses Bündnis mit ehemaligen Vertretern der OHL hatte zur Folge, dass völkische und rechtsextreme Kräfte im Staatsapparat der Weimarer Republik erhalten blieben. Im November 1919 machte Paul von Hindenburg die Dolchstoßlegende bei einem „Untersuchungsausschuss für Kriegsschuldfragen“ bekannt [Quelle]. Er schob die Niederlage damit den Sozialdemokraten zu, weil diese die Novemberrevolution ausgelöst hätten. Die deutschen Soldaten seien im Feld unbesiegt gewesen und „von hinten erdolcht“ worden. Die OHL hatte aber seit 1916 in Form einer Militärdiktatur geherrscht, praktisch keine innere Opposition zugelassen und die Regierungsgeschäfte selbst den Sozialdemokraten übergeben.2 In Hindenburgs Memoiren « Aus meinem Leben » vergleicht der « Held von Tannenberg » den Dolchstoß neu erstarkter politischer Kräfte in der Heimat mit dem « hinterlistigen Speerwurf des grimmigen Hagen », der den Helden Sigfried von hinten durchbohrte.